Die Speichergröße ist die Stellschraube mit dem größten Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit. Zu klein bedeutet verschenkter Solarstrom, zu groß bedeutet totes Kapital. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie die passende Kapazität ermitteln.
Die Faustformel und warum sie funktioniert
Zwei Kennzahlen führen zum selben Ergebnis:
- 1 kWh nutzbare Kapazität je 1.000 kWh Jahresverbrauch
- 1 kWh je kWp installierter Anlagenleistung
Dahinter steckt eine einfache Überlegung. Ein Haushalt verbraucht abends und nachts etwa ein Drittel seines Tagesbedarfs. Bei 4.500 Kilowattstunden im Jahr sind das rund 12 Kilowattstunden pro Tag, davon 4 bis 5 Kilowattstunden außerhalb der Sonnenstunden. Ein Speicher mit 8 bis 10 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität deckt diesen Bedarf auch an bewölkten Tagen zuverlässig ab.
Empfehlungen nach Haushaltstyp
| Haushalt | Verbrauch | PV-Anlage | Speicher | Erwartete Autarkie |
|---|---|---|---|---|
| 1 – 2 Personen | 2.500 – 3.000 kWh | 5 – 6 kWp | 4 – 5 kWh | 60 – 65 % |
| 3 Personen | 3.500 – 4.000 kWh | 7 – 9 kWp | 6 – 8 kWh | 63 – 68 % |
| 4 Personen | 4.500 – 5.000 kWh | 9 – 11 kWp | 8 – 10 kWh | 65 – 72 % |
| 4 Personen + E-Auto | 7.000 kWh | 11 – 13 kWp | 10 – 15 kWh | 60 – 70 % |
| 4 Personen + E-Auto + Wärmepumpe | 10.000 – 12.000 kWh | 14 – 18 kWp | 15 – 20 kWh | 55 – 65 % |
Die Autarkie sinkt bei sehr hohem Verbrauch, weil im Winter schlicht nicht genug Sonne zur Verfügung steht. Wirtschaftlich bleibt die Anlage trotzdem attraktiv, weil die absolute Ersparnis steigt.
Warum größer nicht automatisch besser ist
Der Zusatznutzen je Kilowattstunde nimmt deutlich ab. Für einen Haushalt mit 4.500 Kilowattstunden Verbrauch und 10-kWp-Anlage ergibt sich folgendes Bild:
| Speichergröße | Eigenverbrauch | Mehrertrag pro Jahr | Mehrkosten |
|---|---|---|---|
| ohne | 30 % | – | – |
| 5 kWh | 55 % | + 670 € | + 3.500 € |
| 10 kWh | 68 % | + 1.010 € | + 5.500 € |
| 15 kWh | 73 % | + 1.150 € | + 7.500 € |
| 20 kWh | 75 % | + 1.200 € | + 9.500 € |
Von 10 auf 15 Kilowattstunden kosten Sie 2.000 Euro und bringen nur 140 Euro mehr pro Jahr. Die Amortisation dieser Zusatzkapazität läge bei über 14 Jahren. Für Haushalte ohne Wärmepumpe oder E-Auto ist der Bereich zwischen 8 und 12 Kilowattstunden deshalb der wirtschaftliche Sweet Spot.
Wann eine größere Auslegung sinnvoll ist
- Wärmepumpe: Der Winterverbrauch steigt stark. Ein größerer Speicher puffert die teuren Abendstunden ab, siehe Wärmepumpe intelligent steuern.
- E-Auto: Wer abends lädt, profitiert von zusätzlicher Kapazität. Wer tagsüber zu Hause lädt, braucht sie kaum.
- Dynamischer Stromtarif: Mit Börsenstrom lässt sich der Speicher nachts günstig laden und tagsüber entladen. Dadurch rechnet sich mehr Kapazität.
- Notstromwunsch: Wer bei Stromausfall länger autark sein möchte, plant bewusst größer, siehe Notstrom.
Weitere Auswahlkriterien
Entladeleistung
Die Kapazität sagt nichts darüber aus, wie viel Leistung der Speicher gleichzeitig liefern kann. Ein Speicher mit nur 3 Kilowatt Dauerleistung kann Herd, Wasserkocher und Waschmaschine nicht parallel versorgen. Achten Sie auf mindestens 5 Kilowatt, bei Wärmepumpe eher 8 bis 10 Kilowatt.
Wirkungsgrad
Der Round-Trip-Wirkungsgrad gibt an, wie viel der eingespeicherten Energie wieder herauskommt. Gute Systeme erreichen 94 bis 96 Prozent. Rechnen Sie zusätzlich den Standby-Verbrauch des Wechselrichters ein.
Zyklenfestigkeit
LFP-Speicher schaffen über 8.000 Vollzyklen. Bei einem Zyklus pro Tag entspricht das mehr als 20 Jahren. Die Garantie sollte mindestens zehn Jahre bei 70 Prozent Restkapazität betragen.
Fazit
Die passende Größe ergibt sich aus Verbrauch, Anlagenleistung und Zukunftsplänen. Für die meisten Einfamilienhäuser liegt das Optimum zwischen 8 und 12 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität. Modulare Systeme erlauben eine spätere Erweiterung, wenn sich der Bedarf ändert.
Ob sich ein Speicher für Sie überhaupt rechnet, klärt der Ratgeber Lohnt sich ein Stromspeicher. Ihre individuelle Empfehlung berechnet der Solarrechner in zwei Minuten.


