Warum kostet Strom nachts fünf Cent und abends dreißig? Die Antwort liegt an der Strombörse. Wer das Prinzip versteht, kann mit einem dynamischen Tarif deutlich sparen.
Die Day-Ahead-Auktion
Der Großteil des deutschen Stroms wird an der EPEX Spot in Paris gehandelt. Täglich um 12 Uhr werden die Gebote für alle 24 Stunden des Folgetags eingereicht, kurz danach steht der Preis für jede einzelne Stunde fest. Diese Preise nutzen dynamische Tarife wie der solar0 Stromtarif.
Ergänzend gibt es den Intraday-Handel, in dem bis kurz vor der Lieferung nachjustiert wird, etwa wenn eine Windprognose revidiert wird.
Merit-Order: das Prinzip der Preisbildung
Alle Kraftwerke bieten ihre Leistung zu ihren Grenzkosten an, also zu den Kosten für die nächste erzeugte Kilowattstunde. Die Gebote werden aufsteigend sortiert:
| Erzeugungsart | Grenzkosten | Position |
|---|---|---|
| Wind und Photovoltaik | nahe 0 ct/kWh | immer zuerst |
| Laufwasser | 0 – 1 ct/kWh | früh |
| Braunkohle | 4 – 7 ct/kWh | Mittelfeld |
| Steinkohle | 7 – 11 ct/kWh | Mittelfeld |
| Gas (GuD) | 8 – 16 ct/kWh | spät |
| Gasturbine (Spitzenlast) | 15 – 30 ct/kWh | zuletzt |
Nun wird von links aufgefüllt, bis die Nachfrage gedeckt ist. Das letzte noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle. Läuft die Nachfrage in Gasturbinen hinein, zahlen auch Windparkbetreiber diesen hohen Preis. Fehlt die Nachfrage nach fossiler Erzeugung, fällt der Preis auf wenige Cent.
Wie der Tagesverlauf typischerweise aussieht
- 0 bis 5 Uhr: niedrigste Nachfrage, Wind läuft weiter, Preise oft unter 8 Cent
- 6 bis 9 Uhr: Morgenspitze, Industrie und Haushalte starten, Preise steigen deutlich
- 11 bis 15 Uhr: Solarmaximum drückt den Preis, im Sommer teils unter 2 Cent
- 17 bis 21 Uhr: Abendspitze ohne Sonne, höchste Preise des Tages
- 22 bis 24 Uhr: Nachfrage sinkt, Preise fallen wieder
Im Winter verschiebt sich das Bild: Die Mittagsdelle fällt schwächer aus, die Abendspitze dafür höher. An sonnigen Frühlingswochenenden kommt es regelmäßig zu negativen Preisen.
Negative Strompreise
Wenn Erneuerbare mehr liefern, als verbraucht wird, und konventionelle Kraftwerke nicht schnell genug herunterfahren können, wird der Preis negativ. Erzeuger zahlen dann dafür, dass ihr Strom abgenommen wird. Für Verbraucher mit dynamischem Tarif bedeutet das: Sie bekommen Geld fürs Verbrauchen, abzüglich Netzentgelten und Abgaben.
Genau hier setzt intelligente Steuerung an. Der Energiemanager solar0.Flow lädt in solchen Stunden bevorzugt Speicher und E-Auto.
Was davon beim Kunden ankommt
Der Börsenpreis ist nur ein Teil Ihrer Rechnung. Bei einem Endkundenpreis von 36 Cent entfallen etwa 13,5 Cent auf Beschaffung und Vertrieb, der Rest sind Netzentgelte, Steuern und Abgaben. Die vollständige Aufschlüsselung finden Sie im Ratgeber Strompreis Zusammensetzung.
Weil die staatlichen Bestandteile fix sind, schlägt eine Halbierung des Börsenpreises nicht auf den halben Endpreis durch. Wer seinen Verbrauch aber gezielt verschiebt, senkt den Beschaffungsanteil um 30 bis 50 Prozent.
Was die Zukunft bringt
Mit dem weiteren Ausbau von Wind und Sonne nehmen die Preisschwankungen zu. Stunden mit sehr niedrigen Preisen werden häufiger, ebenso Spitzen in Dunkelflauten. Für flexible Verbraucher wird der Vorteil dadurch größer, für starre Abnehmer kleiner.
Wie sich der Endkundenpreis langfristig entwickelt, analysieren wir im Ratgeber Strompreisentwicklung.
Fazit
Der Strompreis entsteht stündlich neu und hängt vor allem vom Wetter ab. Wer Verbrauch verschieben kann, profitiert. Wer starr verbraucht, zahlt den Durchschnitt.
Die aktuellen Preise für heute und morgen sehen Sie live in solar0 Now. Wie Sie automatisch in günstigen Stunden laden, erklärt der Ratgeber Intelligente Wallbox.


