Eine gute Planung entscheidet über 10 bis 20 Prozent Ertrag. Über 25 Jahre gerechnet sind das mehrere tausend Euro. Dieser Ratgeber erklärt die vier zentralen Planungsfragen und zeigt, worauf es bei der Auslegung wirklich ankommt.

1. Ausrichtung: Süd, Ost-West oder gemischt

Die Himmelsrichtung bestimmt, wann und wie viel Ihre Anlage produziert. Bezogen auf ein optimal ausgerichtetes Süddach ergeben sich diese Werte:

AusrichtungRelativer JahresertragCharakteristik
Süd100 %hohe Mittagsspitze, kürzeres Erzeugungsfenster
Südost / Südwest95 – 97 %leicht verschobene Spitze, sehr gut geeignet
Ost-West (geteilt)85 – 90 %zwei flache Spitzen, breites Erzeugungsfenster
Ost oder West einzeln80 – 85 %einseitige Spitze, gut mit Speicher kombinierbar
Nord55 – 65 %nur bei Neigung unter 15 Grad sinnvoll

Der niedrigere Jahresertrag bei Ost-West wird teilweise dadurch ausgeglichen, dass der Strom morgens und abends anfällt, also dann, wenn ein Haushalt tatsächlich verbraucht. Der Eigenverbrauchsanteil liegt dadurch oft 5 bis 10 Prozentpunkte höher. In Kombination mit einem Speicher verschwindet der Unterschied nahezu vollständig.

2. Neigung: 30 bis 35 Grad sind ideal

In Deutschland liegt das Optimum bei etwa 30 bis 35 Grad. Der Unterschied ist jedoch geringer als oft angenommen:

  • 20 bis 50 Grad: weniger als 5 Prozent Verlust gegenüber dem Optimum
  • 10 bis 20 Grad: 5 bis 10 Prozent Verlust, dafür geringere Selbstverschattung bei Reihenaufstellung
  • Über 55 Grad: 10 bis 15 Prozent Verlust, dafür besserer Winterertrag und Selbstreinigung durch Schnee

Flachdächer werden aufgeständert, üblicherweise mit 10 bis 15 Grad in Ost-West-Anordnung. Das ermöglicht eine dichtere Belegung, weil die Modulreihen sich kaum gegenseitig verschatten, und reduziert die nötige Ballastierung.

3. Verschattung: das größte Ertragsrisiko

Schatten von Schornsteinen, Gauben, Antennen, Bäumen oder Nachbargebäuden kann den Ertrag deutlich mindern. Kritisch ist dabei nicht nur das verschattete Modul selbst: In einer Reihenschaltung ohne Optimierer bremst das schwächste Modul die gesamte Kette aus.

Lösungen

  • Leistungsoptimierer: regeln jedes Modul einzeln, Kosten 50 bis 90 Euro pro Modul, Ertragsplus bei Teilverschattung 10 bis 25 Prozent
  • Modulwechselrichter: jedes Modul hat einen eigenen Wechselrichter, teurer, dafür maximale Flexibilität
  • String-Aufteilung: verschattete Module in einem separaten String zusammenfassen
  • Baumschnitt: oft die günstigste Lösung, sofern rechtlich zulässig

Bei solar0 erstellen wir eine 3D-Verschattungsanalyse, die den Schattenverlauf über das gesamte Jahr simuliert. So lässt sich vorab berechnen, ob sich Optimierer rechnen.

4. Größe: wie viel Kilowatt-Peak sinnvoll sind

Die Auslegung richtet sich nach Verbrauch, Dachfläche und Zukunftsplänen.

JahresverbrauchOhne SpeicherMit SpeicherDachfläche
3.000 kWh4 – 5 kWp5 – 6 kWp28 m²
4.500 kWh6 – 7 kWp8 – 10 kWp50 m²
6.000 kWh8 – 9 kWp10 – 12 kWp62 m²
9.000 kWh (mit Wärmepumpe)11 – 13 kWp14 – 16 kWp85 m²

Unsere Empfehlung lautet in den meisten Fällen: das Dach möglichst voll belegen. Die Kosten pro Kilowatt-Peak sinken mit der Größe, überschüssiger Strom wird 20 Jahre vergütet, und der Bedarf steigt häufig später durch Wallbox oder Wärmepumpe. Eine nachträgliche Erweiterung ist technisch möglich, aber teurer als die gleich größere Anlage.

Wichtig bei über 30 kWp: Oberhalb dieser Grenze entfallen der Nullsteuersatz und die Einkommensteuerbefreiung. Für Einfamilienhäuser ist das selten relevant, bei großen Dächern oder Nebengebäuden sollten Sie es aber im Blick behalten.

Dachzustand und Statik

Die Anlage bleibt 25 bis 30 Jahre auf dem Dach. Die Dacheindeckung sollte deshalb noch mindestens 20 Jahre halten. Steht in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine Sanierung an, ziehen Sie sie vor. Der gleichzeitige Aufbau spart Gerüstkosten.

Statisch sind Dachanlagen unkritisch: Mit Unterkonstruktion wiegen sie rund 20 Kilogramm pro Quadratmeter, das entspricht etwa einem Drittel der Schneelast, für die jedes Dach ausgelegt ist. Bei Flachdächern mit Ballastierung und bei sehr alten Dachstühlen prüfen wir die Statik gesondert.

Der Weg zur fertigen Planung

  1. Satellitenanalyse: Dachfläche, Ausrichtung und Neigung werden automatisch ermittelt.
  2. 3D-Modell und Verschattungssimulation: Belegungsplan und Ertragsprognose entstehen.
  3. Verbrauchsprofil: Ihre Jahresverbrauchswerte fließen in die Eigenverbrauchsberechnung ein.
  4. Vor-Ort-Termin: Dachaufbau, Sparrenabstand, Zählerschrank und Leitungswege werden geprüft.
  5. Festpreis-Angebot mit verbindlichem Belegungsplan.

Den ersten Schritt können Sie sofort selbst machen: Der Solarrechner liefert in zwei Minuten eine erste Einschätzung, der Solar-Check berücksichtigt zusätzlich Ihre Adresse per Satellitenbild.

Fazit

Fast jedes Dach eignet sich für Photovoltaik. Entscheidend sind eine ehrliche Ertragsprognose, der Umgang mit Verschattung und eine Auslegung, die auch künftige Verbraucher berücksichtigt. Wie der Montagetag danach abläuft, lesen Sie im Ratgeber Solaranlage Montage.